Trend zum Minimalismus

Unter der Lupe: Lebensstil "Minimalismus"

Viele Gegenstände, die wir besitzen, misten wir früher oder später aus. Dann stellt sich die Frage: was und wie viel brauchen wir eigentlich? Fragen, mit denen sich auch Anhänger des minimalistischen Lebensstils auseinander setzen. Bewusst kaufen hat recherchiert, was hinter diesem Trend steckt.

Mehr Ordnung ins Leben und in die eigenen vier Wände bringen ist ein Klassiker unter den Neujahrsvorsätzen. Weg mit den alten Zeitungen oder abgetragenen Kleidungsstücken! Aber beim minimalistischen Lebensstil dreht es sich noch um viel mehr, nämlich: sich bewusst machen, was man alles hat und worauf man verzichten kann und will.

Was und wie viel brauche ich eigentlich?

Minimalismus = „Einfaches Leben („simple living“), auch freiwillige Einfachheit, Minimalismus oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht.“ – so wird Minimalismus auf Wikipedia erklärt.

Noch ein günstiges T-Shirt, noch ein lustig bedruckter Kaffeebecher oder das (angebliche) Top-Sparprodukt XXL im Lebensmittelgeschäft – täglich werden wir dazu verführt, mehr zu kaufen, mehr zu brauchen, mehr haben zu wollen. Aber: was und wie viel braucht man eigentlich wirklich? Kaufe ich, um zu Besitzen oder zu Nützen? Oder geht es überhaupt nur um den Shoppingspaß? Genau diesen Fragen stellen sich Anhänger des minimalistischen Lebensstils. Sie stehen für ein bewusst einfaches Leben – ohne unnötigen Ballast, mit Fokus auf immateriellen Werten.

Trendwende zum Bewussteren Konsum

Höher, schneller, weiter, mehr – nach diesem Prinzip funktioniert unsere heutige Welt. Werbung und Trends suggerieren uns, wie unser Leben aussehen soll. Wir sind ständig mit Konsumreizen konfrontiert, die viele Menschen überfordern und trotzdem die Sehnsucht nach dem „Mehr“ steigen lassen.

Es gibt jedoch auch zunehmend Verbraucher und Verbraucherinnen, die sich diesem Sog verweigern und mit ihrem Kaufverhalten ein Zeichen für einen bewussteren Konsum setzen wollen. Sie hinterfragen Neuanschaffungen auf Notwendigkeit und wägen jeden Kauf sorgfältig ab. Zusätzlich wird alles, was nicht mehr benötigt wird oder keine Freude bereitet, verkauft, verschenkt oder gespendet.

Minimalismus im Alltag

Aber wie ist es jetzt wirklich, tagtäglich „einfach“ zu leben? An dem Punkt kommen sogenannte „digitale Influencer“ ins Spiel. Sie berichten im Netz über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zu einem bestimmten Thema, wie beispielsweise auch zum minimalistischen Lebensstil. Auf ihren Blogs oder Social Media Plattformen erzählen sie von ihrem Alltag und prägen so das Bewusstsein ihrer Follower.

Zu den bekanntesten minimalistischen Influencern zählen Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus, die selbst ernannten „The Minimalists“. Auf ihrer Website begleiten und helfen sie ihren Followern auf dem Weg zu einem freien und zufriedenen Leben. Ihr Geheimkonzept: Sie konzentrieren sich nicht auf das „Weniger“, sondern schaffen Platz für ein anderes „Mehr“ - mehr Zeit, mehr Erfahrungen, mehr Freiheit.

In ihren Augen ist Minimalismus eine Möglichkeit, sich auf die persönlich wirklich wichtigen Werte und Prioritäten zu konzentrieren. Mit Erfolg: Seit ihrem Start im Jahr 2010 haben sie u. a. vier Bücher veröffentlicht, über 100 Podcast-Folgen produziert, einen Coffee-Shop eröffnet sowie weltweit zahlreiche Vorträge gehalten.

Vom Sharing- zum Lebenskonzept

Der Minimalismus begegnet uns in verschiedensten Ausprägungen. In der „Light“-Variante geht es um gemeinschaftlichen Konsum, dazu zählt beispielsweise Car-Sharing. Aber es gibt auch wesentlich umfassendere Ansätze. Es werden sogar Konzepte für ganze Dörfer entwickelt, so wie es das Ökodorf Sieben Linden in Deutschland vorlebt. Dort hat sich die Gemeinschaft der Reduktion des ökologischen Fußabdrucks verschrieben, indem es beispielsweise einen Großteil ihres Bedarfs an Obst, Gemüse und Kräutern selbst erwirtschaftet.

Ausmisten, aber richtig – mit „Magic Cleaning“

Im Zuge des minimalistischen Ansatzes dreht sich Vieles um das Entrümpeln und Aufräumen. Entsprechende Tipps und Tricks boomen. So auch eine Methode von der Japanerin Marie Kondo, die mit ihrem Buch „Magic Cleaning“ einen Bestseller geschrieben hat. Aufgrund ihres „KonMari“-Ansatzes haben sich viele Chaos-Liebhaber in Ordnungsfanatiker verwandelt. Die Idee dahinter: Man sollte nur die Dinge behalten, die Freude bereiten.

Wie funktioniert das Ausmisten nach der „KonMari“-Methode?

1. Nach Kategorien ausmisten

Zuerst werden die Gegenstände in Kategorien eingeteilt. Danach arbeitet man sich von der Kleidung über Bücher und Kleinkram bis zu den Erinnerungsstücken vor. So kann man sich von emotional weniger wichtigen Dingen zu den Lieblingsstücken vorarbeiten.

2. Alles in die Hand nehmen

Als nächstes werden alle Dinge einer Kategorie zusammen gesucht und auf einen Haufen gestapelt. Dann nimmt man einen Gegenstand nach dem anderen in die Hand und fragt sich, ob er einen glücklich macht. Lautet die Antwort nein, wird er rigoros ausgemistet.

3. Jeder Gegenstand hat seinen Platz

Alle Gegenstände, die am Ende bleiben dürfen, bekommen einen eigenen Platz. Stifte kommen beispielsweise in einen eigenen Behälter am Schreibtisch, Kleidungsstücke werden ordentlich gefaltet oder aufgehängt. Und voilà – schon hat man ein aufgeräumtes Zuhause.

Der aufgeräumte Kleiderschrank

Mehr Tipps für einen aufgeräumten Kleiderschrank gibt es von Buchautorin und Bloggerin Anuschka Rees. In ihrem Buch „The Curated Closet“ beschreibt sie ein paar Grundprinzipien für die Auswahl von Kleidung. Nach dem Motto „Weniger ist mehr“ erklärt sie, wie man mit ein paar einfachen Schritten den Weg durch das Modechaos und zum eigenen Stil findet.

Minimalismus: gestern, heute, morgen

In der Antike nur ein Thema für Philosophen, sind die Grundprinzipien des „einfachen Lebens“ heute mitten in unserer Gesellschaft angekommen. Ob wirkungsvolle Ausmist-Aktion, bewusstere Kaufentscheidungen oder als umfassendes, neues Lebenskonzept – es gibt viele Ansätze, um in ein zufriedenes (minimalistisches) Jahr 2018 zu starten!

Quellen und weiterführende Links:

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