Rogner Bad Blumau

Interview und Gewinnspiel: Rogner Bad Blumau

Was für private Haushalte schwierig ist - wenig Lebensmittel zu verschwenden - ist für Hotels eine wahre Herausforderung. Das Rogner Bad Blumau pflegt einen ganzheitlichen und sehr erfolgreichen Zugang. Wir haben mit Hoteldirektorin Melanie Franke gesprochen und verlosen eine Übernachtung für Zwei!

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet im Rogner Bad Blumau soziale Verantwortung zu übernehmen, respektvoll mit der Natur und ihren Ressourcen umzugehen und das eigene Tun kritisch zu hinterfragen. Als Gast kann man sich auch persönlich von der Philosophie des Hotels überzeugen: Wir verlosen eine Übernachtung für Zwei im Rogner Bad Blumau -  hier geht es zum Gewinnspiel!

Hoteldirektorin Melanie Franke erzählt im Interview, welche ganzheitliche Herangehensweise hinter der erfolgreichen Reduktion von Lebensmittelabfällen steht und was Gäste im Hotel erwarten können:

Welche Philosophie steckt hinter dem Konzept von Rogner Bad Blumau?

Im Geiste eines „neuen Humanismus" schuf der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser, gemeinsam mit dem Baumeister und Visionär KR Robert Rogner, im oststeirischen Thermenland 1997 ein Refugium, in dem sich Natur und Architektur zu einer kreativen und inspirierenden Symbiose verbinden. Ohne Ecken und Kanten, ohne gerade Linien. Stattdessen mit Mut zur organischen Form, zu Farben, zur Fröhlichkeit und zum menschlichen Maß. Der sensible Umgang mit der Natur, die fröhliche Architektur und die authentische Hinwendung zum Menschen tragen zu einer besonderen Qualität bei.

Ein „Leben im Einklang mit der Natur" spiegelt sich in allen Handlungsfeldern wieder. Beginnend vom hohen Anteil an regional, bevorzugt biologischen Lebensmitteln, die verarbeitet werden, der hauseigenen symbiotischen Landwirtschaft, der Naturkosmetik im Bereich Spa und der sorgsamen Nutzung unserer Ressourcen.

Was bedeutet das für den Umgang mit Lebensmitteln und woher beziehen Sie die Produkte?

Um unseren Gästen das Beste bieten zu können, stammt ein Großteil der Lebensmittel aus landwirtschaftlichen Betrieben der Region, die im Kreislauf mit der Natur wirtschaften und bei denen artgerechte Tierhaltung und der Verzicht auf Chemie und Gentechnik selbstverständlich sind.

„100% Region" nennt Johann Schuster, Küchenchef im hoteleigenen Restaurant „LebensFroh" sein Konzept. Und der Name ist Programm: Die Käferbohnen und das Gemüse stammen von Bauern ums Eck, die Forellen und Saiblinge schwammen eben noch im 12 Kilometer entfernten Teich, der Topfen und das Brot kommen aus dem Ort und ein Teil der Kräuter sogar aus dem hauseigenen biologisch-zertifizierten Kräutergarten. Die Speisen sind auf das Minimum, nämlich die einzelnen Produkte unserer Partner reduziert. Dass sie so aufregend im Geschmack sind, liegt an ihrer hervorragenden Qualität und Frische, die ich nur bei regionalen Produkten habe - und das schmeckt man auch. Gerade in Zeiten wie diesen ist die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten wichtiger denn je. Eine solche Partnerschaft eröffnet neue Chancen für beide Seiten, stärkt den Wirtschaftsstandort, sichert die Zukunft nachfolgender Generationen und schont die Umwelt.

Besonders beim Buffet-Betrieb stehen Beherbergungsbetriebe ja oft vor der Herausforderung, dass man dem Gast viel bieten will und dann gegen Ende auch einiges übrig bleibt, was entsorgt werden muss. Welche Maßnahmen treffen Sie, damit möglichst wenig Lebensmittel entsorgt werden müssen?

Wir haben uns für diesen Prozess sehr viel Zeit genommen, um mögliche Verbesserungen und nachhaltige Ziele zu erreichen und versuchen unser Tun täglich aufs Neue zu hinterfragen und zu verbessern. Hierzu haben wir einen 100% geschlossenen Lebensmittelkreislauf erarbeitet, um mit der Ressource Lebensmittel einen beinahe 100% sinnvollen Verwertungsprozess zu implementieren.

Wir müssen in unserer Verantwortung Vorbildfunktion übernehmen und dies täglich vorleben. Begonnen hat der Prozess mit der Umstellung anhand eines Sensibilisierungsprozesses nach innen - bei den MitarbeiterInnen. Wir haben 2 ha Ackerland zu unseren bereits bestehenden 40ha biologisch zertifiziertem Areal dazu gepachtet und führen eine hauseigene kleine Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehhaltung. Unsere Köche bewirtschaften mit einem hauseigenen Bauern die Felder. Gemeinsam werden Gemüse, Kräuter, Blumen etc. angebaut und geerntet. Damit haben wir eine Wertschätzung nach innen - in den Betrieb geführt. Jedes Lebensmittel wird seither respektvoll verarbeitet bis zum letzten Blatt, so dass bereits bei der Produktion kaum Abfälle entstehen. Eigene Rezepturen mit Abschnitten, Rezepturen zu Kompott und Marmelade etc. helfen uns, Lebensmittel sinnvoll und hochwertig zu verarbeiten. Überproduzierte Gerichte werden im hauseigenen MitarbeiterInnen Restaurant weiterverarbeitet und ausgegeben. Restlboxen für MitarbeiterInnen sind im Einsatz. Zudem haben hausinterne Kochkurse zu einer neuen Lebensqualität für viele MitarbeiterInnen geführt. Ein eigener Bio-Komposthaufen und die Tierfütterung stehen bei Lebensmittelabfällen zur Verfügung. Eine streng geführte Lagerwirtschaft, tägliche Checklisten und Erfassungsprogramme zu Abfällen sind wichtig.

Durch eine Front Cooking Station produzieren wir immer nur kleine Mengen vor und zählen jeden Gast beim Eintreffen, um laufend die fehlenden Mengen anhand der Gästeanzahl im Überblick zu haben. Zudem hat eine intelligente Präsentation und Information am Buffet dazu beigetragen, dass durch ein reduziertes regionales (bevorzugt biologisches) Angebot, der Gast einen Mehrwert geniert. Es geht nicht um die Menge und Fülle an Gerichte, sondern um die hohe Qualität, die frische Präsentation der Rohprodukte und die mengenmäßige kleine Produktion. Dazu unterstützen uns unsere regionalen Partner sehr. Produkte werden bei der Verarbeitung u.a. auch in ihrer ursprünglichen Form belassen um unnützen Müll zu vermeiden.

Ein Beispiel, welches uns sehr stolz stimmt, ist das Thema Brot. Seit Bestehen der Hotel- und Thermenanlage beziehen wir Brot und Gebäck von der örtlichen Bäckerei - Familie Mild. Immer wieder kam es zu Brotabfällen und hohen Restbeständen. Aufgrund der Einhaltung hoher Lebensmittelhygienestandards musste viel Brot entsorgt werden. Teile wurden zu Brösel und Brotwürfel verarbeitet. Gemeinsam mit unserem regionalen Bäckermeister haben wir eine Lösung zur Reduzierung von Brotabfällen bis zu 90% entwickelt. Heute steht bei uns Mitten im Restaurant ein Brotbackofen. Der heimische Bäcker liefert nur noch Bio-Teiglinge, welche vor Ort in kleinen Mengen frisch aufgebacken werden. Frisches Brot aus dem Backofen rund um die Uhr - ein Erlebnis für den Gast und weniger Brotabfälle in der Küche.

Welches Feedback gibt es von Ihren Gästen rund um das Thema Essen?

Unsere Gäste schätzen das regionale Angebot sehr. Essen ist eine Kultur und nun auch mit gutem Gewissen für den Mensch und die Umwelt. Es braucht jedoch eine gute konstante Kommunikation um den Wert am Gast zu transportieren. Dazu hilft uns die Ackerwirtschaft und die Tierhaltung inmitten der Hotelanlage. Auch leben wir eine enge Partnerschaft mit den regionalen Produzenten, welche auch laufend bei uns im Hotel präsent sind und ihre Produkte präsentieren können. Jedes Produkt braucht auch ein Gesicht. Ehrlichkeit und Fairness sind neue Wertfaktoren. Unsere Gäste haben ein neues Erlebnis mit den hochwertigen Lebensmitteln erhalten und schätzen dieses sehr. Reine Produkte ohne viel „Schnickschnack". Auch werden traditionelle Gerichte wie gekochte Kipfler Kartoffel mit Bio Butter und Bio Kresse, immer wieder gerne als Tagesgericht bestellt. Weniger mit hoher Qualität ist oft mehr.

Gibt es Dinge, die Sie sich in Bezug auf den Umgang mit Lebensmitteln auch von Ihren Gästen wünschen würden?

Wir wünschen uns, dass unsere Gäste die vielen guten Erfahrungen und neuen Geschmackserlebnisse mit Lebensmittel mit nach Hause nehmen und darüber reden und kommunizieren. Wir haben das Ziel unsere Gäste zu begeistern und ihnen ein Stück neue Lebensqualität zu bieten, welche sie auch immer wieder im Alltag selbst finden und umsetzen können.

Welche Maßnahmen kann ich als Privatperson von den Hotellerie- und Gastronomie-Profis übernehmen?

JedeR kann einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung unserer Lebensqualität beitragen. Es ist wichtig, dass wir unsere regionalen kleinen ProduzentInnen unterstützen. Einkaufen beim Bauern und beim Greißler im Dorf ist ein wichtiger erster Schritt. Achten wir auch mehr auf die Jahreszeit und kaufen bzw. verarbeiten wir weitgehend nur Lebensmittel dieser Saison. Auch sollte jeder mehr auf eine sinnvolle Verwertung aller Lebensmittel achten, damit wir uns von der Wegwerfgesellschaft entfremden. Achten wir auch mehr auf eine umweltfreundliche Verpackung. Die Frage der Leistbarkeit wird sehr oft diskutiert. Wenn wir als Beispiel weniger Fleisch essen, dieses jedoch dann nur mit hoher Qualität aus artgerechter und bevorzugt biologischer Tierhaltung, so haben wir schon viel erreicht. Meine 330 MitarbeiterInnen bekennen sich einmal pro Woche zu einem Veggie-Tag. Damit schenken wir umgerechnet in kg rund 120 Schweinen ein weiteres Jahr Leben. 

Melanie Franke

 

 

 

 

Melanie Franke ist seit 18 Jahren im Rogner Bad Blumau tätig, seit 2010 leitet sie als Direktorin das Unternehmen mit 320 MitarbeiterInnen.

Ihr Credo: Wir haben jeden Tag die Möglichkeit von Mensch und Natur zu lernen. Wichtig sind Bewusstsein und ein respektvoller, achtsamer Umgang mit einander.

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